Flugloste / Fluglotsin

Das dritte Auge des Piloten

Wer sich schon immer gefragt hat, wie ein Flugzeug von der Startbahn des Abflughafens zur Landebahn des Zielflughafens gelenkt wird und vor allem gern wissen würde, was man dabei alles planen und einsehen muss, für den ist vielleicht der Beruf Fluglotse etwas. Ein Fluglotse trägt genauso viel zu einem sicheren und geordneten Ablauf des Flugverkehrs bei wie ein Pilot. Die Koordination und Lenkung des Flugverkehrs vom Boden aus ist nicht selten ein stressiger und nervenaufreibender Beruf: Die Flugzeuge müssen pünktlich starten und landen können und sicher durch den oftmals stark beflogenen Luftraum geleitet werden. Bereits bei einer verspäteten Maschine heißt es: Neu planen, umorganisieren, informieren.

Fluglotse mit FernglasEin Fluglotse hat direkten Kontakt zu den Piloten im Cockpit. Er überwacht die Start- und Landebahnen, erteilt Start- und Landegenehmigungen und leitet das Flugzeug sicher zum Zielort. Dabei muss er darauf achten, dass festgelegte Mindestabstände zwischen den Flugzeugen auf keinen Fall unterschritten werden, um einen Zusammenprall zu vermeiden. Man nennt das „Staffelung“. Um diese Staffelung zu gewährleisten, muss der Fluglotse Flughöhen, Flugstraßen und Steuerkurse für das Flugzeug berechnen, wertet dabei auch die Daten vom Kontrollcenter und anderer Flughäfen sowie Wetterinformationen aus – und zwar möglichst zeit-, kerosin- und kostensparend, gar nicht so einfach!

Tower- oder Centerlotse?
Es gibt zwei Arten von Fluglotsen, die sich die Kontrolle des Flugverkehrs in Sektoren, also bestimmte Bereiche aufteilen und miteinander in Verbindung stehen. Der Towerlotse sitzt in der Kanzel des Towers, dem Kontrollturm, in Nähe des Flugplatzes. Er ist für die startenden und landenden Flugzeuge auf dem Rollfeld verantwortlich; auch den Terminal-Bereich überwacht er mit scharfem Blick. Denn trotz Radar verlässt er sich vor allem auf seine Augen, er sucht den direkten Blickkontakt zu den Maschinen und erteilt die Freigaben zum Anlassen der Motoren und Starten des Flugzeuges.
Das ist nicht einfach, vor allem ein größerer Flughafen mit viel Flugverkehr verlangt viel Koordination und Organisation. Am Flughafen in Frankfurt, dem zweitgrößten Flughafen Europas, gibt es täglich 1400 Flugbewegungen – teilweise starten und landen bis zu 90 Maschinen in einer Stunde!
Der Fluglotse muss wissen, welche Rollbahnen frei sind, um die Flugzeuge zur richtigen Zeit zur richtigen Bahn zu „lotsen“ und sie auch pünktlich starten und landen zu lassen. Denn oftmals kommen Flugzeuge durch schwierige Wetterverhältnisse zu spät an und ziehen damit neue Berechnungen und Planungen nach sich. Der Towerlotse muss also schnell entscheiden, welchem Flugzeug er das OK zum Starten und Landen erteilt.

Der zweite Typ des Lotsen ist der Centerlotse. Er arbeitet – wie der Name verrät – in einem Center, das sich nicht am Flugplatz befinden muss. Wenn das Flugzeug auf über 7500m gestiegen ist, findet zwischen Tower- und Centerlotse eine Übergabe statt, bei der das Flugzeug an den jeweils Zuständigen weitergegeben wird. Es gibt weitaus weniger Center als Tower, obwohl die Aufgaben eines Centerlotsen ähnlich denen eines Towerlotsen sind. Im Gegensatz zum Towerlotsen koordiniert er aber den gesamten Flugraum, wobei natürlich jeder Centerlotse für einen bestimmten Bereich im Luftraum verantwortlich ist.

Computer MonitoreDen Luftraum kann der Centerlotse nur per Radar prüfen, wie der Towerlotse gibt er den Piloten per Sprechfunk Routen, Wetter- und Luftverhältnisse oder Abstände zu nahen Flugzeugen durch und muss das Flugzeug auch wieder auf die Verhältnisse beim Landeanflug vorbereiten.

Kein Job für Jedermann
Die Anforderungen an beide Berufstypen von Fluglotsen sind dementsprechend hoch. Neben ihrer beruflichen Qualifizierung müssen sie sehr konzentriert arbeiten und auch in Stresssituationen viel Verantwortung übernehmen können. Denn wenn im Luftraum viel los ist, fallen für einen Fluglotsen allein häufig bis zu zehn Flugzeuge an, die betreut werden wollen. Darüber hinaus braucht er ein gutes Gedächtnis und ein natürliches Verständnis für technische Zusammenhänge. Beispielsweise muss sich ein Fluglotse Dinge auf einem zweidimensionalen Radarbildschirm räumlich gut vorstellen können.

Fluglotse am ComputerDen Beruf eines Fluglotsen können daher auch relativ wenige Menschen ausüben. Und bereits am einwöchigen Einstellungstest zur Ausbildung als Tower- oder Centerlotse scheitert so mancher. Hier werden zum Beispiel Gedächtnis, Konzentration, räumliches Vorstellungsvermögen und Nervenstärke vorab geprüft. Dafür ist die 13-16-monatige Ausbildung umso interessanter: Fächer wie Luftrecht, Navigation, Flugsimulation, Flugwetterkunde oder Internationales Luftfahrtenglisch stehen auf dem Stundenplan.

Um später 100%ig sicher allein im Fluggeschäft schalten und walten zu können, absolvieren die jungen Lotsen darüber hinaus ein ein- bis anderthalb-jähriges Training am späteren Arbeitsplatz Tower oder Center, natürlich unter den Augen erfahrener Kollegen. Die meisten frisch gebackenen Fluglotsen und Fluglotsinnen – 30% aller Lotsen sind Frauen – gehen nach ihrer Ausbildung direkt zu den internationalen Flughäfen, hier werden sie von der Flugsicherung des jeweiligen Landes rekrutiert. In Deutschland ist das zum Beispiel die DFS, die Abkürzung steht für „Deutsche Flugsicherung“.
Es ist also ein verantwortungsvoller, aber auch sicherer Arbeitsplatz, bei dem es zusätzliche Aufstiegschancen, beispielsweise zum Teamleiter oder Ausbilder, gibt. Wer die harte Ausbildung schafft und auch zukünftig die Nerven behält, dem ist ein gut bezahlter Arbeitsplatz sicher.Flugzeug landet

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